Weniger Schein mehr Sein - warum Schweigen
gerade für Führungskräfte wichtig wird.
Der Schein reicht nicht mehr...
Nachdem 20 Jahre lang das Image einer Person gefragt war, rücken seit der Jahrtausendwende alte Tugenden wieder ins Rampenlicht. Reden und Handeln einer Führungskraft sollen wieder übereinstimmen, das bloße Image ist zu wenig. Eine Führungskraft überzeugt heute nur, wenn sie Entscheidungen in Ruhe und aus einem inneren Gleichgewicht heraus trifft. Überzeugend wirkt, wer persönliche Werte gewählt hat und diese gelassen und fest vertritt. Dem zornig polternden Chef, der über einen Abrechnungsfehler in Raserei gerät oder dem ängstlich gehemmten Chef, der sich hinter Vorstandsbeschlüssen verschanzt, folgt kein Mitarbeiter mit Begeisterung. Diese Art von Führung ist ineffektiv und damit teuer. Die Wichtigkeit der Persönlichkeit, der charakterlichen Reife einer Führungskraft wird in der Wirtschaft oft noch unterschätzt.
...das Sein weiterentwickeln
Ist Persönlichkeit überhaupt veränderbar? Manche Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung erwecken den Eindruck, es handle sich dabei um ein rasches und unterhaltsames Vorhaben. Dabei gerät aus dem Blick, dass der Weg zur persönlichen Reife, soll er wirksam beschritten werden, mühevoll und anstrengend ist. Es erfordert offenbar mehr als ein Wochenendseminar. Ein Sprichwort sagt „ Alt werden wir von alleine, aber für den Weg zur Reife müssen wir uns entscheiden". Führungskräfte sind herausgefordert, diesen Weg zur persönlichen Weiterentwicklung bewusst zu suchen. Jährliche Einkehrzeiten sind dabei wie Aussichtstürme, von denen aus nach einer abgeschlossenen Etappe der weitere Weg bestimmt wird. Es geht heute darum, die althergebrachte Kunst der Einkehr und Selbstreflexion neu zu entdecken. Dazu braucht man Zeit und Mut. Zeit, weil diese Arbeit an der Gedankenwelt nicht den Effektivitätsregeln der Wirtschaft unterliegt und Mut, weil gerade im längeren Schweigen Themen ins Bewusstsein drängen, die im Alltagsbetrieb beiseite geschoben werden. Wer sich zum ersten Mal mit dieser Art des persönlichen Bilanzierens beschäftigt, dem empfiehlt sich ein erfahrener Begleiter und Gesprächspartner. Dieser hilft über anfängliche Zweifel und Fragen hinweg. Damit aus dem Schweigen keine unfruchtbare Nabelschau, sondern eine konstruktive Kursbestimmung wird. In Klöstern wird Einkehr diese Art seit langem praktiziert. Im freikirchlichem Raum gibt es in Österreich seit 2007 spezielle Schweigeseminare für Führungskräfte.
Der Anfang vom wirkungsvollem Reden und Handeln ist das Schweigen und Hören. Deshalb macht Schweigen Führungskräfte erfolgreich.
Timm Smutny
Theologe
www.weiter-bildung.at